Diagnose Alzheimer? Verlegen – Vergessen – ist das schon Demenz?

Diagnose Alzheimer? Verlegen – Vergessen – ist das schon Demenz?

Oft werde ich gefragt: „Ivana, sag mal, ich vergesse auch schon so viele Sachen und ständig verlege ich etwas, wo liegt denn die Grenze zwischen verlegt, vergessen und dement?“ Oder: „Woher weiß ich ob mein Gehirn noch gut genug arbeitet? Was ist gut genug?“

Ständig sind wir damit beschäftigt, uns zu fragen ob wir gut genug sind… Ich sag immer: „Solang du noch erstens weißt und zweitens dazu stehst, dass du etwas vergessen hast, ist es noch ein normaler „Abbauprozess“ beziehungsweise vielmehr der Stressfaktor der unseren Lebensalltag von früh bis spät bestimmt!“

Ich will nicht abstreiten, dass wir bestimmt nur geschätzte 55% unserer Gehirnmasse nützen und es noch sicherlich viel mehr zu holen gäbe.

Meine Vermutung und Erfahrung bestätigt sich oft, dass wir zu eingefahren denken! Wie auf einer Autobahn sind wir ununterbrochen damit beschäftigt unser Limit nicht aus dem Augen zu lassen – wer bremst – verliert?

Wenn wir von einem zum anderen Termin hetzen, oder auf einer Stressschiene zwischen Haushalt, Arbeit und Kinder managen… Was passiert eigentlich, wenn wir uns mal ein bisschen einbremsen? Ehrlich gefragt, wer hat oder nimmt sich Zeit, darüber nachzudenken?

Da sind wir am springenden Punkt! Alles was unbequem, kompliziert oder gar neues Denkvermögen anfordert wird ziemlich schnell verworfen, wir sind ja auf das Maximum programmiert und arbeiten ständig am Perfektionismus! Anders gefragt: Hängt unser Wohlbefinden vom Perfektionismus ab?

Wir könnten mal versuchen von unserer geistigen Autobahn abzufahren und eine Pause an einer Raststation machen, um uns zu hinterfragen, was uns Stabilität im Leben gibt, Freude macht oder wie wir unserem Leben einen besonderen Sinn geben können?

Müssen wir wirklich ständig auf der Überholspur fahren um uns zu fragen wie wir besser, schöner, schneller oder gar härter werden!

Wir alle kennen doch bestimmt das Gebot der Nächstenliebe! Es besagt: Liebe deinen nächsten wie dich selbst! Da gestatte ich mir die Frage: Warum haben wir im Leben gelernt, unseren Nächsten mehr zu lieben als uns selbst? Warum denken wir „Nein“ und sagen „Ja“?

Der Zusammenhang zum Vergessen kommt hier ins Spiel: Jeder, der auf der geistigen Autobahn fährt, wird auf dem schnellsten Weg ankommen – doch leider wird er dabei auf sich vergessen und wenn das Vehikel allmählich stottert, wird er sich fragen, wo denn das Ziel oder der Sinn darin war bzw. geblieben ist.

Menschen die an Alzheimer erkranken haben Anfangs ein Problem, (so wie es ein jeder von uns hätte) mit der Erkenntnis, dass der Verstand geht. Wenn sie erst einmal der Zeit keinen Wert mehr geben, sehen sie ihre „Krankheit“ als eine Erleichterung für das Leben! Genauso wie ihr Verstand gehen sie zurück um der momentan unerträglichen Realität einen Sinn zu geben. Es wird keinen Arzt geben, der sagen kann, wo die Grenzen oder Qualitäten zu finden sind. Es lohnt nicht, darauf zu warten, dass sich jemand mit dir beschäftigt. Besser, du beschäftigst dich mit dir selbst, und biegst von deiner zur schnellen Autobahn ab.

Auf diesem vermeintlichen Umweg lernst du plötzlich eine besondere Art der Kommunikation kennen. Diese hilft dir und deinen Angehörigen, dem letzten Abschnitt im Leben einen besonderen Sinn zu verleihen.

Wenn unser Verstand geht, sind es nur noch die Gefühle die bleiben. Es sind die prägenden Lebensgeschichten, was dich im Leben bewegt hat: das Schönste, das Schlimmste, das Glücklichste…
Daran könnten wir unser Gehirn wieder wachsen lassen…. Genau darum geht es im Leben.

Mit anderen Worten: Bei herausfordernden Alltagssituationen hilft es nicht, für uns unerreichbare und daher unbedeutende Menschen immer wieder in unsere Realität zu rufen. Wir sollten vielmehr aus den Weisheiten der Desorientierten lernen.

 

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